Evangelisch-Lutherische Kirchengemeinde Donauwörth

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Gedanken zum Sonntagsgottesdienst IX

"Jeden Sonntag 9.30 Uhr Gottesdienst"
–  was tun wir, wenn wir ihn feiern, wie wir ihn feiern?

Die einen empfinden ihn als langweilig und erstarrt, die anderen als hilfreich und entlastend – den Sonntagsgottesdienst in traditioneller Form, wie wir ihn Woche für Woche, Jahr für Jahr in Donauwörth um 9.30 Uhr in der Christuskirche feiern. In dieser Reihe lade ich Sie ein zu erfahren, wie sein Ablauf (Liturgie) geschichtlich und theologisch begründet ist, warum wir ihn also so feiern, wie wir ihn feiern.

Wozu wir stehen

Wir feiern Gottesdienst – das bedeutet: wir sind alle beteiligt: Liturg und Gemeinde. Sie singen mit, Sie beten mit. Sie öffnen sich für Gottes Wort. Sie lassen sich einladen zum Abendmahl, Sie bringen Ihren Dank und Ihre Bitten vor Gott, Sie stellen sich unter den Segen Gottes.
An eine Möglichkeit der Beteiligung möchte ich Sie in dieser letzten Folge der Reihe „Jeden Sonntag 9.30 Uhr Gottesdienst“ noch einmal erinnern. Sie besteht im klaren, deutlichen und bewussten Aussprechen des kleinen Wörtchens „Amen!“ Dieses Wörtchen kommt aus dem Hebräischen, aus der Sprache also, in der der erste Teil der Bibel, unser „Altes Testament“ ursprünglich geschrieben ist. Mit „So ist es!“ ist dieses Wort unzureichend übersetzt – im Hebräischen gibt es keine Gegenwartsform unseres Zeitwortes „sein“. Gott braucht auch unsere Zustimmung oder Billigung der Gebete, Lieder, und Lesungen nicht. Wichtig ist dagegen, dass jedes Gemeindeglied im Gottesdienst durch sein beherztes „Amen!“ sich dem Gehörten durch seine persönliche Anteilnahme anschließt und so bekennt, dass das Gehörte für ihn bzw. sie persönliche Gültigkeit besitzt. „Amen“ bedeutet also genauer: „Das glaube ich! Dazu stehe ich! Darauf vertraue ich. Das ist meine Überzeugung!“

Zum Beispiel: Wir beginnen den Gottesdienst „Im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes!“ Mit seinem kräftigen „Amen!“ bestätigt jeder in der Gemeinde, dass er dem zustimmt: Ja, ich feiere diesen Gottesdienst im Namen des dreieinigen Gottes! Ich bin auf meinem Platz, in dieser Gemeinde, um Gottesdienst zu feiern.

Anderes Beispiel: Sie kommen beim Abendmahl nach vorn. Der Pfarrer reicht Ihnen die Hostie und sagt „Christi Leib, für Dich gegeben!“ Von außen betrachtet könnten Sie antworten: „Nein, das ist eine Backoblate mit Verzierung!“ Doch Sie feiern Gottesdienst und empfangen im Vollzug des Gottesdienstes Christi Leib. Mit Ihrem hörbaren „Amen!“ bestätigen Sie: „Ja, ich vertraue auf das Geheimnis des Abendmahls, im Glauben empfange ich Christi Leib für mich, das nehme ich an!“ Das ist eine andere Antwort als ein gut gemeintes „Danke!“.

Noch ein Beispiel: Am Ende des Gottesdienstes spricht die Pfarrerin, der Pfarrer den Segen. Und die Gemeinde antwortet darauf mit einem gemeinsamen, vernehmbaren „Amen!“. Ja, wir gehen unter Gottes Segen, wir vertrauen diesem Segen auch draußen im Alltag.

So ist jedes „Amen!“ im Gottesdienst ein kleines Bekenntnis – wenn Sie so wollen: eine kleine Konfirmation, eine Bestärkung und Bestätigung Ihres Glaubens. Aus dieser bewussten Bestätigung und Bestärkung kann er Kraft gewinnen und Halt geben für den Alltag. In den werden wir nach dem Gottesdienst entlassen. Und im Alltag soll wirksam werden, was wir am Sonntag gefeiert haben.

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