Evangelisch-Lutherische Kirchengemeinde Donauwörth

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Gedanken zum Sonntagsgottesdienst V

"Jeden Sonntag 9.30 Uhr Gottesdienst"
–  was tun wir, wenn wir ihn feiern, wie wir ihn feiern?

Die einen empfinden ihn als langweilig und erstarrt, die anderen als hilfreich und entlastend – den Sonntagsgottesdienst in traditioneller Form, wie wir ihn Woche für Woche, Jahr für Jahr in Donauwörth um 9.30 Uhr in der Christuskirche feiern. In dieser Reihe lade ich Sie ein zu erfahren, wie sein Ablauf (Liturgie) geschichtlich und theologisch begründet ist, warum wir ihn also so feiern, wie wir ihn feiern.

Was wir singen und hören

Mit der Lesung sind wir in dem Teil des Gottesdienstes angekommen, der an jedem Sonntag seine ganz eigene Prägung hat. (Siehe Teil IV der Reihe)

Wie für jeden Sonn- und Feiertag des Jahres eigene Lesungen vorgesehen sind, so ist auch das Lied nach dem Glaubensbekenntnis, das so genannte „Wochenlied“ an jedem Sonntag ein eigenes. Vorgeschlagen werden jeweils ein traditionelles und ein moderneres Lied, beide sind am Evangelium des Sonntags orientiert. Wer regelmäßig den Gottesdienst mitfeiert, lernt so im Laufe der Jahre nicht nur eine ganze Reihe von Bibeltexten kennen, sondern auch einen Stamm von Liedern. Das Wochenlied leitet über zur Predigt. Martin Luther hat gefordert, dass kein Gottesdienst ohne Predigt stattfinden solle, denn es sei die Predigt, die den Glauben hervorruft. Er bezieht sich dabei auf ein Wort des Apostels Paulus aus dem Römerbrief, Kapitel 10, Vers 17: „So kommt der Glaube aus der Predigt, das Predigen aber durch das Wort Christi.“
Ist es wirklich die Predigt, die den Glauben bewirkt? Bestimmt nicht ausschließlich. Ich kann gestärkt und auferbaut aus einem Gottesdienst gehen, auch wenn mir die Predigt nichts gesagt hat. Die ganze Liturgie, die Lieder, die Lesungen, die Gebete tun ihre Wirkung.

Was aber ist das besondere der Predigt? Die Predigt hilft, in den Hörenden Gottes Wort zum Klingen zu bringen. Die Bibel ist von Menschen geschrieben, die in ihrem Leben und in ihrer Zeit Erfahrungen mit Gott gemacht haben und diese Erfahrungen bezeugen. Ihr Glaube und ihr Vertrauen, aber auch ihre Zweifel und Fragen finden Niederschlag in der Bibel. Deren Texte sind 2000 und mehr Jahre alt. Die Predigt kann einerseits ihre Entstehung erklären. Und sie kann andererseits die Lebenserfahrungen der Hörenden heute in einen Zusammenhang bringen mit den Lebenserfahrungen der Menschen damals. Sie geht der Frage nach: was helfen mir diese „alten Geschichten“ für mein Leben heute? Sie versucht den Hörenden heute Mut zu machen, ihr Vertrauen auf den lebendigen Gott zu setzen. Dass wir als Hörerinnen und Hörer wirklich Gottes Wort, seinen Zuspruch und Anspruch aus den Menschenworten hören, das kann kein Prediger, keine Predigerin „machen“. Das wirkt allein Gottes Geist. Deshalb beten Predigende zu Beginn der Predigt: „Herr, segne Du unser Reden und Hören durch Deinen Heiligen Geist!“ Die Gemeinde bestätigt dieses Gebet mit ihrem „Amen!“.

Was wird gepredigt? Grundlage der Predigt sind in der Regel die für den jeweiligen Sonntag vorgesehenen biblischen Predigttexte. Sie werden auch „Perikopen“ genannt, vom griechischen Wort für „Abschnitt“. Sechs Predigttextreihen gibt es, die Texte wiederholen sich also alle sechs Jahre. Diese Ordnung der Predigttexte hilft dazu, dass die ganze Weite biblischer Texte zur Sprache kommt in den Gottesdiensten der Gemeinde. Derzeit werden die Perikopenreihen neu geordnet, so sollen ab 2017 zum Beispiel mehr Texte aus dem Alten Testament gepredigt werden. In Donauwörth ist in diesem Kirchenjahr die neue zweite Reihe in Erprobung. Während bisher die erste Reihe nur aus Evangeliums- und die zweite nur aus Brieftexten bestanden hat, finden sich nach der neuen Ordnung in allen sechs Reihen Texte aus den Evangelien, den Briefen (Episteln) und aus dem Alten Testament. So sind auch die Predigtjahre der ersten und zweiten Reihe abwechslungsreicher gestaltet.

Der Predigt folgt im Ablauf des Gottesdienstes nach einer kurzen Stille das Predigtlied. Es nimmt Gedanken der Predigt auf. Während dieses Liedes wird in unserer Gemeinde der Klingelbeutel eingesammelt. Was dort eingelegt wird, ist immer für die Aufgaben unserer Gemeinde bestimmt. Die Kollekte dagegen, die am Ausgang und am Ende des Gottesdienstes erhoben wird, ist häufig für die vielfältigen weiteren Aufgaben der Kirche bestimmt. Der Zweck wird jeweils in den Abkündigungen bekannt gegeben. Dazu mehr in der nächsten Folge.

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