Evangelisch-Lutherische Kirchengemeinde Donauwörth

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Gedanken zum Sonntagsgottesdienst IV

"Jeden Sonntag 9.30 Uhr Gottesdienst"
–  was tun wir, wenn wir ihn feiern, wie wir ihn feiern?

Die einen empfinden ihn als langweilig und erstarrt, die anderen als hilfreich und entlastend – den Sonntagsgottesdienst in traditioneller Form, wie wir ihn Woche für Woche, Jahr für Jahr in Donauwörth um 9.30 Uhr in der Christuskirche feiern. In dieser Reihe lade ich Sie ein zu erfahren, wie sein Ablauf (Liturgie) geschichtlich und theologisch begründet ist, warum wir ihn also so feiern, wie wir ihn feiern.

Was wir lesen und bekennen?

Nach dem Glorialied wird die Gemeinde zum Gebet aufgefordert, meist mit den Worten: „Lasst uns beten!“ Zum Gebet stehen wir auf und richten uns gemeinsam zum Altar aus. In manchen Kirchen steht ein „Volksaltar“, dort steht der Altar zwischen dem Pfarrer / der Pfarrerin und der Gemeinde. Das mag Nähe zwischen Pfarrer und Gemeinde signalisieren, doch beim Gebet geht es um etwas anderes: der Pfarrer betet nicht zur Gemeinde, sondern er betet gemeinsam mit der Gemeinde zu Gott.

Das Tagesgebet (auch Kollektengebet genannt) schließt den Eingangsteil des Gottesdienstes ab. Es hat einen Bezug zum Evangelium des jeweiligen Sonntags und verändert sich daher jeden Sonn- und Feiertag. Meist endet es mit einem der Gemeinde vertrauten Abschluss wie „…durch unseren Herrn Jesus Christus, der mit Dir und dem Heiligen Geist lebt und regiert von Ewigkeit zu Ewigkeit!“ Die Gemeinde bekräftigt das Gebet mit ihrem „Amen!“.

Im Stehen, um das Wort Gottes zu ehren, hört die Gemeinde nun die Lesung aus der Bibel. Aus dem Wort der Bibel entspringt unser Glaube. Mit den biblischen Lesungen bezieht sich die Gemeinde auf ihren Ursprung und ruft sich die Geschichte Gottes mit den Menschen in Erinnerung. Dabei kommen sowohl Texte aus dem Alten wie aus dem Neuen Testament zur Sprache. Ort für die biblische Lesung ist das Lesepult, für die Verlesung des Predigttextes in der Regel die Kanzel. In der evangelisch-lutherischen Kirche wird der Bibeltext üblicherweise nach der Übersetzung von Martin Luther gelesen.

Die zentrale Lesung in jedem christlichen Gottesdienst ist die des Evangeliums. Das Evangelium von Jesus Christus ist die einzigartige Grundlage unseres christlichen Glaubens. „Evangelium“ bedeutet „Frohe Botschaft“. Gott wendet sich in seinem Sohn Jesus Christus uns Menschen zu. Der Inhalt der Lesung aus einem der vier Evangelien (Matthäus, Markus, Lukas, Johannes) prägt den ganzen Sonntagsgottesdienst.

Ist die Evangeliumslesung gleichzeitig Predigttext, so wird als Lesung ein Text aus dem Alten Testament oder aus einem neutestamentlichen Brief (= Epistel) verlesen. In manchen Gemeinden sind neben dem Predigttext auch zwei Lesungen gebräuchlich. Die alttestamentliche wie die Epistellesung werden von der Gemeinde – außer während der Passions- und der Adventszeit – mit einem gesungenen „Halleluja“ abgeschlossen. Nach der Evangeliumslesung singt oder spricht die Person, die ge­lesen hat „Ehre sei dir, Herr!“ Die Gemeinde stimmt in den Lobpreis ein und singt oder spricht: „Lob sei dir, Christus!“

Anschließend an die Lesung bekennen und bezeugen wir im gemeinsam gesprochenen Bekenntnis unseren Glauben an den dreieinigen Gott. In der Regel wird am Sonntag das „Apostolische“ Glaubensbekenntnis gesprochen. Es entstand im 5. Jahrhundert ursprünglich als Taufbekenntnis und hatte seinen Platz bei der Taufe Erwachsener. Erst seit dem Dritten Reich wird es in der bayerischen Landeskirche an jedem Sonntag gesprochen. Für Festtage ist das Nicänische Glaubensbekenntnis vorgesehen, es ist auf den Kirchenversammlungen von Nicaea 325 n.Chr. und Konstantinopel 381 n.Chr. entstanden. Diese Bekenntnisse stellen ein vereinendes Band über die Grenzen von Zeit, Raum und zwischen evangelischer und katholischer Kirche dar. Sie sprechen weniger vom Glauben des Einzelnen als vom gemeinsamen christlichen Glaubenszeugnis. Wir stellen uns damit in die „Wolke von Zeugen Christi“, von der im Hebräerbrief (Kapitel 12 Vers 1) im Neuen Testament die Rede ist.

Es gibt auch zeitgenössische Be­kenntnisse oder persönliche Glaubenszeugnisse, die im Gottesdienst gesprochen werden können. Möglich ist auch das Singen eines Glaubenslie­des wie „Wir glauben Gott im höchsten Thron“ (Evangelisches Gesangbuch 184), das dann an die Stelle des gesprochenen Bekenntnisses tritt.

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