Evangelisch-Lutherische Kirchengemeinde Donauwörth

Heilig-Kreuz-Straße 10, 86609 Donauwörth, Tel. 09 06 / 7 00 14 48

Gedanken zum Sonntagsgottesdienst VI

"Jeden Sonntag 9.30 Uhr Gottesdienst"
–  was tun wir, wenn wir ihn feiern, wie wir ihn feiern?

Die einen empfinden ihn als langweilig und erstarrt, die anderen als hilfreich und entlastend – den Sonntagsgottesdienst in traditioneller Form, wie wir ihn Woche für Woche, Jahr für Jahr in Donauwörth um 9.30 Uhr in der Christuskirche feiern. In dieser Reihe lade ich Sie ein zu erfahren, wie sein Ablauf (Liturgie) geschichtlich und theologisch begründet ist, warum wir ihn also so feiern, wie wir ihn feiern.

Wofür wir eintreten

Während des Predigtliedes ist der Klingelbeutel durch die Reihen gegangen. Er hat seinen Namen von den kleinen Glöckchen, die früher an ihm befestigt waren und mit ihrem Klingeln die Aufmerksamkeit der Gottesdienstbesucher wecken sollten. Was Sie hier einlegen, ist für die Arbeit der Ortsgemeinde bestimmt. Die Bestimmung der Kollekte dagegen (von lateinisch colligere = Sammeln), die am Ende des Gottesdienstes am Ausgang erbeten wird, wechselt. Sie wird zum Teil von der Landeskirche festgelegt, zum Teil vom Dekanat und zum Teil vom Kirchenvorstand der Gemeinde. Mit den Sammlungen sind wir als Gemeinde in die Verantwortung gerufen für Not leidende Menschen, für Kirchen und Gemeinden in Krisensituationen sowie für besondere Projekte auf verschiedenen kirchlichen Ebenen. Bitte machen Sie Gebrauch von der Möglichkeit, wirklich Verantwortung zu übernehmen und Unterstützung zu geben! Sammlungen haben eine lange Tradition: die Bibel erzählt von Opfergaben im Tempel von Jerusalem – denken Sie an die berühmte Geschichte vom Scherflein der armen Witwe (Markus 12, 41-44). Der Apostel Paulus sammelt in Korinth für die bedürftige Gemeinde von Jerusalem (2. Korinther 8).

Wofür im Gottesdienst gesammelt wird, wird jeweils in den Abkün­digungen bekannt gegeben. Die sind gewissermaßen die wöchentliche Öffentlichkeitsarbeit der Kirchengemeinde. Sie lädt ein zu Veranstaltungen während der neuen Woche, zu Gruppen und Kreisen, zu Vorträgen und zum Konfirmandenunterricht, insbesondere zu den Gottesdiensten, die gefeiert werden. Beschlüsse des Kirchenvorstands werden bekannt gegeben. Trauungen, Taufen und Beerdigungen werden bekannt gemacht: So kann die Gottesdienstgemeinde die Verstorbenen und ihre Angehörigen, die Brautpaare und die Täuflinge in ihr Gebet aufnehmen. Das geschieht entweder direkt im Rahmen der Abkündigungen oder im anschließenden Fürbittgebet. Regelmäßiger Teil der Abkündigungen ist auch der Dank für die Spenden und Gaben der zurückliegenden Woche.

Wird im Gottesdienst kein Abendmahl gefeiert (dazu mehr in der nächsten Folge), erhebt sich nun auf die Worte „Lasst uns beten!“ hin die Gemeinde zum Fürbittgebet. Neben den Gebeten des Lobes, des Dankes, der Bitte und der Klage ist das Fürbittgebet eine besondere Aufgabe der Gemeinde: durch den Gottesdienst in ihrem Vertrauen auf Gott bestärkt bringt sie die Sorgen und Nöte der Menschen und der Welt vor Gott und bittet um seine Hilfe. Dabei werden vielfältige Aspekte angesprochen: Wir denken an das Leben unserer Gemeinde, an das ökumenische Miteinander und an die Kirche in der Welt. Wir bitten für Menschen, die von Unglücksfällen, Krieg und Terror betroffen sind, für Menschen in ganz persönlicher Not. Wir bitten für die Regierenden in der Welt, im Land und am Ort. Während einer Zeit der Stille, kann jede und jeder seine ganz persönlichen Anliegen vor Gott bringen. Oft ist das Gebet auch so aufgebaut, dass die Gemeinde mit einem gesprochenen oder gesungenen „Herr, erhöre uns!“ oder „Herr, erbarme dich“ sich die einzelnen Bitten zu eigen machen kann. Solche Gebete sind keine Zaubersprüche. Wir bitten um Gottes Hilfe – und wir sind uns bewusst, dass Gott auch durch uns wirken kann und will. Der Arzt und Theologe Albert Schweitzer hat gesagt: „Gebete ändern die Welt nicht. Aber Gebete ändern die Menschen. Und die Menschen verändern die Welt.“

Im Anschluss an das Fürbittgebet beten wir gemeinsam das Vaterunser. Es ist das Gebet, das Jesus selbst seine Jünger zu beten lehrt (Matthäus 6). Überall in der Welt wird es in christlichen Gottesdiensten gebetet. In den ersten drei Bitten wenden wir uns Gott zu, in den folgenden Bitten geht es um unser Leben. Den Worten Jesu aus dem Matthäusevangelium ist dann noch ein Lobpreis hinzugefügt: „Denn dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit in Ewigkeit.“ Während des Vaterunsers läutet die Gebetsglocke. Menschen in der Umgebung der Kirche können jetzt mitbeten und sich in die Gemeinschaft der Glaubenden hineingenommen wissen.

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